QuartärInhaltsübersicht
(Dieser Abschnitt Quartär ist Bestandteil der Diplomarbeit von Holger Reuchlin)
Riß-Glazial
Zeitraum:
-2,3 Millionen Jahre bis heute
Die Gesteine des Quartärs stammen aus dem Mittel- (Riß) und Jungpleistozän (Würm) und dem Holozän ( Tab. 1 ). Während dieser Zeit ist die Adelegg einer nachhaltigen Landschaftsgestaltung unterzogen worden, die bis auf den heutigen Tag anhält. Sie ist auf die hier hohe Reliefenergie, periglaziale Vorgänge und die zertalende Wirkung des Wassers zurückzuführen. Gletscher und deren Schmelzwässer entfernten beträchtliche Gesteinsmassen an West- und Ostabhang der Adelegg, die als Härtling aus dem Eis ragte. Im Innern haben Eschach und Kürnach für einen regen Materialtransport gesorgt und ein vielfach verästeltes Netz von zum Teil steilen, schluchtartigen Tälern (" Tobeln ") geschaffen.
verändert nach SCHREINER (1981).
Die Berge von Adelegg und Kürnachwald trennen das Gebiet des Rheingletschers im Westen von dem des Illergletschers im Osten ( Abb. 3 ). A. REISSINGER (1941) und HANTKE (1978) halten eine lokale Vereisung in den Tertiärbergen für möglich. Kare wurden von D. ELLWANGER (1980) vom Ostrand der Adelegg südlich Wiggensbach beschrieben. Das Eschachtal wurde vom rißeiszeitlichen Überlauf von Schmelzwässern des Illergletschers durchflossen (P. SINN 1974). Die Terrassen des Kürnachtals sind durch Schmelzwässer, die sowohl vom riß- wie vom würmzeitlichen Illergletscher (bei dessen Höchststand, vgl. D. ELLWANGER 1980) übertraten, akkumuliert worden.
Nach dem Rückzug des Eises bildeten sich Seen, Tümpel und Feuchtstellen, die zum Teil vermoort oder ganz ausgetrocknet sind.
PleistozänSeitenanfang
Während der Kaltzeiten des Pleistozäns bildete das Adeleggbergland die Eisscheide zwischen dem Rhein- und dem Illergletscher (O.F. GEYER & M.P. GWINNER 1986), wobei der Kern des Berglands wohl von keinem der beiden Gletscher überfahren wurde und Periglazialgebiet war. Jedoch finden sich in der Adelegg fluvioglaziale Ablagerungen des Rhein- und des Illergletschers: Im Westen begleitet die Füllung der äußersten Eisrandstromrinne des würmeiszeitlichen Rheingletschers den steilen Westabhang der Adelegg. Hochterrassenschotter im Eschach- und im Kürnachtal sowie der Niederterrassenschotter im Kürnachtal sind Akkumulationsrelikte von Schmelzwässern des Illergletschers, die bei dessen riß- und würmzeitlichen Hochständen von Osten über das Adeleggbergland zum tiefer gelegenen Rheingletscher abflossen. Daneben führte aber auch die starke Schuttbildung durch Frostverwitterung und Solifluktion im periglazialen Adeleggbergland zu Aufschüttung und Aufschotterung; an den Einmündungen der Tobel in die Täler von Eschach und Kürnach wurden Schwemmkegel geschüttet, die später vom eigenen Bach zerschnitten und vom Vorfluter gekappt wurden und heute meist nur noch als höhergelegene Schwemmfächertorsi vorliegen. Auch der liegende Schotter im Terrassensporn von Häfeliswald, am Zusammenfluß von Eschach und Kürnach sowie der Niederterrassenschotter im Eschachtal belegen kräftige Akkumulation von periglazial gebildetem Schutt und Schotter (P. SINN 1974). Möglicherweise lieferte auch die von R. HANTKE (1978) und A. REISSINGER (1941) in den höheren Lagen des Adeleggberglands angenommene Eigenvergletscherung zusätzlich Material zur Aufschotterung.
Riß -GlazialSeitenanfang
Im Norden grenzt der Friesenhofener Schotter an das Kartiergebiet (Abb. 4).
Weitere Rißsedimente findet man in der Terrasse südlich von Häfeliswald, der Terrasse von Exenried und in einem kleineren Vorkommen südöstlich von Eisenbach (Beil. 1). Die Terrasse von Häfeliswald liegt am Zusammenfluß von Eschach und Kürnach. P. SINN (1974) gliedert sie in einen rein periglazial- fluviatilen, 7-8 m mächtigen Kies, dessen Gerölle aus der Adelegg stammen. Er wird von einem 1-2 m mächtigen Feinsedimentband vom hangenden 7-8 m mächtigen Schotter mit deutlichem Illerglazialeinfluß getrennt. Im Gegensatz zum rein periglazial-fluviatilen Kies weist dieser eine bessere Schichtung, Sortierung, Rundung und andere, frischere Farbe (blaugrau statt bräunlich) auf. Er enthält zudem 2-3% Dolomitgerölle, die im Liegenden sehr selten vorkommen. Das trennende Sedimentband setzt sich aus Anteilen der Ton- und Feinsandfraktion, die stellenweise kalkfrei und in Lagen geröllführend sind, zusammen. Es enthält Schnecken und sonstige organische Reste (P. SINN 1974):
Es handelt sich hierbei um eine kaltzeitliche Landschneckenfauna. Das Sedimentband dürfte in einem See, der vom vorrückenden Rheingletscher aufgestaut wurde und der die Eschachmündung absperrte, abgelagert worden sein (P. SINN 1974). Die Fortsetzung ins Eschachtal bildet die Terrasse von Exenried . Am ca. 20 m steil abfallenden Westrand der Rißterrasse ragt das von Hangschutt überdeckte Tertiär ungefähr 5 m über die Würmterrasse und die Talaue heraus (P. SINN 1974). Die Rißterrasse fällt parallel zum Flußlauf mit 11 ein; im Nordteil flacht das Einfallen auf ca. 6 ab. Die Grenze zum Tertiär ist überdeckt von Hangschutt und Fließerden (Abb. 5).
Darauf liegt im nördlichen Teil der alte, mehrfach unterschnittene Schwemmfächer des Schindelbachs. Der dazugehörige holozäne Schwemmkegel liegt tiefer an der Talaue der Eschach. Ein weiterer Rißschotterrest liegt südlich von Eisenbach auf 850müNN (R. HANTKE 1978). Große Rutschungen im Bereich des Schwarzen Grats, in den östlich anschließenden Tobeln sowie in den Talschlüssen des Friesen- und des Schleifertobels kann man einer Firnvereisung oder lokalen Vergletscherung zuordnen (R. HANTKE 1978). Es wäre aber auch möglich, daß postgiaziale Erosion und das stärkere Schichtfallen im Süden zu diesen Formen geführt hat.
Würm -GlazialSeitenanfang
Den am weitesten flußaufwärts liegenden Terrassenrest findet man bei Eisenbach . Er liegt zwischen der von R. HANTKE (1978) beschriebenen Rißterrasse und der Talaue. Somit ist er dem Würm zuzuordnen. Weiter flußabwärts sind noch mehrere Würmterrassen anzutreffen, so bei Blockwiesen, Exenried - Fallehen, Rinnenbühl - Schmidsfelden und Häfeliswald. Bei Häfeliswald haben sich die Würmsedimente unter die Rißschotterbasis ca. 5 m ins Tertiär eingeschnitten (P. SINN 1974). Man kann vorn eigentlichen Niveau, das eindeutig ins Würmglazial gehört, ein tieferliegendes abgliedern. Ob es sich dabei um eine durch Abtragung entstandene Terrasse der höheren Würmschotter, ein späteres Würmstadium oder um holozäne Ablagerungen handelt, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Weitere Würm-Terrassen findet man am Westrand im Argental und auf der Leutkircher Heide (F. MESSOW 1981).
HolozänSeitenanfang
TalaueSeitenanfang
Wie bereits erwähnt, treten Terrassen-Niveaus zwischen Würm-Terrasse und der eigentlichen Talaue auf, die möglicherweise auch ins Holozän zu stellen sind. Hier gilt in Betracht zu ziehen, daß am Anfang des 17. Jahrhunderts große Mengen Holz aus der Adelegg nach Ulm (deshalb Ulmer Tal) geschafft wurden. Das Holz wurde in der Eschach geflößt. Dazu mußte einmal der Fluß aufgestaut werden, zudem war bei starker Entwaldung auch die Abtragung der Berge und die Akkumulation im Tal verstärkt. Die kann lokal zu mehreren Akkumulationsniveaus im Tal geführt haben. Bei der Kartierung wurden die beiden niedriger liegenden Niveaus als Talaue auskartiert und dem Spätwürm/Holozän zugeordnet.
SchwemmfächerSeitenanfang
Möglicherweise vorhandene Gletscher oder Firnansammlungen in den steilen Talschlüssen des Friesen- und des Schleifertobels und des Rohrdorfer Tobels am Westabhang der Adelegg lieferten beim Abschmelzen genügend Wasser, um ihre ausgedehnten Schwemmfächer aufzuschütten (R. HANTKE 1978). Nur in niederschlagsreichen Perioden sucht sich hier das Wasser seinen Weg oberirdisch. Der Schwemmfächer der Eschach in des Tal der Leutkircher Heide bewirkte zudem einen Rückstau der von Süden kommenden spätwürmglazialen Schmelzwässer. Spätestens nachdem die Argen in ihr Bett zum Bodensee durchgebrochen war, fiel das Tal trocken. Es blieben Moore und Anmoore, so z.B. östlich des Rangenbergs und am westlichen Rand des Kartiergebiets bei Oberhofen, zurück (F. MESSOW 1981) Heftige Regengüsse sorgen noch bis heute für Akkumulation im Talauenbereich.
RutschungenSeitenanfang
Die Wechsellagerung von wasserdurchlässigen Konglomeraten und wasserstauenden Mergeln, die bei Wasserzutritt stark quellen und dann leicht ins Rutschen kommen ( Abb. 7 ) , haben zu Rutschun-gen mit den unterschiedlichsten Ausmaßen und Ausbildungsformen geführt: Am Schwarzen Grat glitten mehrere Gesteinspakete nacheinander ab, so daß eine " Schollenbildung " zu erkennen ist; am Wenger Egg hat wohl das stärkere Schichtfallen zu einer sehr ausgedehnten kesselartigen Rutschung geführt; schollenartige Rutschungen findet man auch an den Tobelhängen zwischen Sephenhöhe und Ochsenberg. Daneben gibt es noch eine Vielzahl kleinerer und kleinster Rutschungen in allen Höhenlagen über das gesamte Gebiet verteilt.
BlockschuttSeitenanfang
Am Wenger Egg sind Blöcke der umgebenden tertiären Nagelfluh in einzelnen Schollen mit mergelig-sandiger Oberer Süßwassermolasse zerglitten.
HangschuttSeitenanfang
Am Westabhang der Adelegg, aber auch am Übergang zu den Talauen und über der Friesenhofener Schotterterrasse (Riß), sind die Hänge fast durchweg von mächtigem Hangschutt bedeckt. Sie erheben sich mit sanfter Böschung und oft kaum merklichem Knick über den Schotterfluren. Dieser Hangschutt kam wohl hauptsächlich nach dem Abschmelzen des würmeiszeitlichen Eises in einer vegetationsarmen Zeit zur Ablagerung. Meist findet sich ein jüngerer, lehmiger Verwitterungsschutt auf älterem, gröberem Hangschutt (H. JERZ 1974).
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