Geologie von Adelegg und südlichem Kürnachwald - Landschaftlicher, geologischer, morphologischer Überblick

Inhaltsübersicht

 

(Dieser Abschnitt Landschaftlicher, geologischer, morphologischer Überblick ist Bestandteil der Diplomarbeit von Max Fezer)

 

Inhalt

Landschaftlicher Überblick
Geologischer Überblick
Morphologischer Überblick

 

Landschaftlicher Überblick

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Das Kartiergebiet gehört landschaftlich zum Molasse-Bergland zwischen Isny, Immenstadt und Kempten. Es erfaßt davon den größten Teil des Adeleggberglands im Norden:

Das im wesentlichen aus tertiärer Nagelfluh aufgebaute, hauptsächlich bewaldete Hochgebiet, ist der Allgäuer Faltenmolasse im Norden vorgelagert und trennt hier die ehemaligen Areale des Rheingletschers im Westen und des Illergletschers im Osten.

Während die Nagelfluhberge sich im Süden am Schwarzen Grat sowie im Osten an der Großen Schwedenschanze und am Änger bis auf Höhen über 1100 m erheben, erreichen sie im Norden nur noch Höhen von 800 - 900 m; dann gehen sie allmählich in die glazial geformte Ausräumungs- und Akkumulationslandschaft des weiteren Alpenvorlands über.

Im Westen erhebt sich das Bergland mit dem Höhenzug der Adelegg kräftig auf Höhen von 1000 - 1100 m über das vom Eis und den Schmelzwässern des Rheingletschers geprägte Westallgäuer Hügelland. Der Höhenunterschied zum ehemaligen Zungenbecken des Rheingletschers beträgt über 300 m auf sehr kurze Distanz.

Zur Illerseite hin, im Osten und Nordosten, vollzieht sich ein deutlicher, aber ruhigerer Übergang von Höhen über 1100 m im Buchenberger Wald, an der Großen Schwedenschanze und am Änger, bis auf Höhen von 1000 - 900 m. Das Bergland endet dort mit der Überdeckung durch Moränen und Schotter des ehemaligen Illergletschers. Damit geht es in die Landschaft der Illervorberge über.

Im Süden erfolgt ein dem Westrand ähnlicher, steiler Abfall von über 300 m zum Tal der Wengener Argen. Die Landschaft zeigt hier schon etwas Schichtrippencharakter und damit Anklänge an die weiter südlich folgende Faltenmolasse mit ihren Ost-West gerichteten Strukturen wie dem Hauchenberg und dem Hochgrat.

Das Bergland selbst wird von vielen steilen und engen Tobeln zerschnitten, die der Landschaft ein recht lebhaftes Relief verleihen. Die hier auftretenden Höhenunterschiede betragen bis zu 200 m.

In den Tobeln sammelt sich der abfließende Teil der beträchtlich hohen Niederschlagsmengen (pro Jahr z.T. über 1800 mm) und stürzt in Form der Tobelbäche über viele kleine wasserfallbildende Gefällestufen zu Tal. Gefällestufen und flachere Abschnitte des Bachbetts wiederholen sich mehrfach und zeigen damit besonders deutlich den geologischen Aufbau des Berglands:

Widerständige Nagelfluhbänke sind Ursache der Gefällestufen; zwischengelagerte, leichter ausräumbare Mergel und Sandmergel bewirken einen ruhigeren Bachverlauf.

Bergsporne und Hänge zeigen wie die Tobel, eine in steilere und flachere Bereiche gegliederte, fast terrassenförmige Abstufung der Landschaft, worin wiederum die "Gesimsenatur" des Berglands zum Ausdruck kommt. Gefällsarme Hänge werden von Einzelgehöften bewirtschaftet, dienen als Weiden und werden bevorzugt zur Anlage von Wegen herangezogen. Auf den Höhen sind sogar ausgesprochene Verebnungen entwickelt.

Die Entwässerung des Gebiets erfolgt zum größten Teil durch die Eschach und ihren bedeutendsten Zufluß, die Kürnach. Ihren Anfang nimmt die Eschach im östlichen Teil des Berglands, im Buchenberger Wald. Sie fließt zuerst in westlicher Richtung, biegt dann im Bogen nach Norden ab und nimmt bei Häfeliswald die von Osten kommende Kürnach auf.

Beide Gewässer lassen eine Abgrenzung folgender Teilgebiete des Berglands zu: Westlich der Eschach erhebt sich die Adelegg. Sie steigt von Ellmeney im Norden von ca. 800 m nach Süden auf 1118 m am Schwarzen Grat. Ihr markanter, N-S verlaufender, schroffer Westrand wird von vielen kleinen, steilen und von einigen größeren Tobeln, wie dem Rohrdorfer-, Friesen- und Schleifertobel zerschnitten. Nach Osten wird die Adelegg durch längere und flacher verlaufende Tobel zergliedert. Der größte, das Tal des Eisenbachs, entwässert nahezu den gesamten südlichen Bereich und erreicht bei Eisenbach die Eschach.

Östlich der Eschach und nach Norden von der Kürnach begrenzt, liegt das Hochgebiet des Kürnach-Buchenberger Waldes. Hier wird an der Großen Schwedenschanze der höchste Punkt des Kartiergebiets wie auch des Adeleggberglands, mit 1126 m NN erreicht. Nach Nordwesten, über den Änger (1125 m NN), die Kreuzleshöhe (1115 m NN) und den Wolfsberg (998 m NN) verliert das Gebiet an Höhe und erreicht südöstlich Häfeliswald nur noch 900 m. Über diese Erhebungen verläuft die Kamm-Wasserscheide Eschach/Kürnach. Die Entwässerung nach Westen erfolgt im wesentlichen durch das bei Eisenbach vom Eschachtal nach Osten abzweigende Kreuzthal und durch den weiter nördlich, bei Blockwiesen, in die Eschach einmündenden Ulmertalbach. Nach Osten, zur Kürnach, entwässern die Kleine Goldach und die Große Goldach. Darüberhinaus ist das Gebiet von vielen kleinen Tobeln zerschnitten.

Eschach und Kürnach sind die wichtigsten Vorfluter der vielen Tobelbäche und leiten wie diese das Wasser rasch ab: "Die Eschach ist bedingt durch die Topographie des Einzugsgebiets und die niedergehenden Regenintensitäten ein typischer Gebirgsfluß. Zudem treten bei winterlichen Föhnwetterlagen äußerst hohe Abflußspitzen infolge starker Schneeschmelze ein." (M. WALSER in: J. WERNER et al. 1974:553).

Außerhalb des Blattes 8226 Isny Nord erreicht die Eschach über Leutkirch als Niebel die Aitrach und über die Iller die Donau. Der Wengener Argen nebst ihrem Vorfluter der Unteren Argen und damit dem Bodensee tributär, sind nur die am steilen West- und Südrand der Adelegg abfließenden Gewässer und Tobelbäche.

Die Europäische Wasserscheide Rhein/Donau zieht also entlang der Höhen oberhalb dieser sehr markanten Steilhänge über das Bergland: von Rohrdorf kommend zuerst über die höchsten Erhebungen der Adelegg im Westen, den Schwarzen Grat, dann über das Wenger Egg zum Hohenkapf.

Die Landesgrenze Baden-Württemberg/Bayern verläuft ebenfalls durch das Gebiet: zuerst von Norden der Eschach folgend, dann südlich des Eisenbacher Waldes zum Schwarzen Grat, über das Raggenhorn und den Wengenberg.

 

Geologischer Überblick

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Das Kartiergebiet liegt im südlichen Teil des nordalpinen Molassebeckens, in der Aufgerichteten Vorlandmolasse. Es zeigt einen Ausschnitt aus dem, zwischen den übertieften Becken des Rheingletscners im Westen und des Illergletschers im Osten gelegenen, Adeleggbergland im westlichen Allgäu (Abb. 1).

   

Geologischer Überblick
Abb. 1: Geologische Übersichtskarte des westlichen Allgäus (Ausschnitt aus der Geologischen Karte von Bayern 1:500000). W =Wangen; K = Kempten; 1 Immenstadt; L = Leutkirch.

Die umrandete Fläche bezeichnet die Lage von Blatt 8226 Isny Nord 1:25 000 sowie seines SE-Teils. Das Kartiergebiet erfaßt hauptsächlich den SE-Teil und greift auch auf angrenzende Gebiete über.

 

Die Grenze zur Faltenmolasse verläuft 5 km weiter südlich des Kartiergebiets zwischen den Höhenzügen des Sonneneck und des Hauchenberg. Sie ist als steile Störung mit Aufschiebungscharakter nach Norden entwickelt.

Am geologischen Aufbau des Kartiergebiets sind oberirdisch jungtertiäre Schichten der jüngeren Oberen Süßwassermolasse und Ablagerungen des Quartärs beteiligt.

Bis auf einen schmalen Streifen im Westen und im Norden sowie den Tälern von Eschach und Kürnach mit quartären Ablagerungen, wird das gesamte Kartiergebiet von der fluviatil-limnischen bis fluviatil-terrestrischen Oberen Süßwassermolasse eingenommen. Diese ist hier in ihrer alpenrandnahen, grobklastischen Fazies ausgebildet. Die Geröllschüttungen gehören zum nördlichsten und jüngsten Teil des Hochgratschwemmfächers, der im Tertiär von einem Fluß aus dem Bereich des heutigen Hochgrats, auch als "Hochgratfluß" oder "Ur-Iller" bezeichnet, vom Oligozän bis Pliozän sukzessive nach Norden vorgebaut wurde (S. SCHIEMENZ 1960). Das gesamte Gesteinspaket, der hier in der Aufgerichteten Vorlandmolasse über 1000 m mächtigen Oberen Süßwassermolasse, läßt sich nach 0. GANSS & P. SCHMIDT-THOMÉ (1955) in eine liegende, ca 800 m mächtige tiefere Konglomeratserie, eine mittlere, 400 - 500 m mächtige, von Mergeln gebildete "Flinz-Fazies" und eine ca. 400 m mächtige höhere Konglomeratsene gliedern. Schon R. SEEMANN (1929) wies auf diese Dreigliederung hin.

Im Kartiergebiet sind bis zum höchsten Punkt, an der Großen Schwedenschanze (1126 m NN), nur die obersten, schwach mit 1/2°- 4° nach NNW einfallenden, ca. 400 m der Folge über Tage erschlossen. Dieser jüngere Teil der Oberen Süßwassermolasse liegt als eine relativ gleichförmige Wechsellagerung konglomeratischer Nagelfluhen mit Mergeln und Sandmergeln vor. Die Nagelfluhbänke erreichen Mächtigkeiten bis 25 m; die zwischengelagerten, recht weit durchhaltenden Mergel schwellen auf bis zu 10 m an. Dabei nehmen nach Norden Geröllgröße und Konglomeratmächtigkeit ab, während Feinkornanteil und Mergelmächtigkeit zunehmen. Sandlagen sind an der Wechsellagerung nur untergeordnet beteiligt. S. SCHIEMENZ (1960) erklärt dies durch die besondere Sedimentationsweise eines Flusses, der in einer mit Wasser gefüllten Senke hin- und herpendelnd einen Schwemmfächer aufbaute.

Pleistozäne Ablagerungen treten verglichen mit denen der Oberen Süßwassermolasse nur spärlich auf. Ursache ist die Lage und Funktion des Adeleggberglands während der Eiszeiten, als es die Eisscheide zwischen Rhein- und Illergletscher bildete (O.F. GEYER & M.P. GWINNER 1968). Am Westrand der Adelegg reicht noch die Talung der äußersten peripheren Schmelzwasserrinne des würmzeitlichen Rheingletschers in das Kartiergebiet herein. Hoch- und Niederterrassenschotter im Eschach- und Kürnachtal sind zum einen Akkumulationsrelikte von zentrifugal durch das Adeleggbergland abfließenden Schmelzwässern des Illergletschers, zum anderen Reste von Aufschotterungen mit periglazial im Adeleggbergland gebildetem Material.

Zu den pleistozänen Aufschüttungsformen gehören auch die höhergelegenen Schwemmkegelreste an den Ausgängen der Tobel in die Täler von Eschach und Kürnach.

Spätglaziales bis holozänes Alter haben Talauensedimente der größeren Gewässer sowie die meist vollständig erhaltenen Bachschwemmkegel an den Einmündungen der Tobelnebenbäche in die Talauen der Vorfluter, außerdem ein Teil des Hangschutts und Rutschungen an den Talflanken und in den Tobeln. Neben den anmoorigen Stellen am Westrand der Adelegg sind wohl auch die dortigen großen Schwemmfächer jüngere Bildungen.

 

Morphologischer Überblick

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Die im Kartiergebiet in der Oberen Süßwassermolasse herrschende Wechsellagerung von grobkörnigen, widerständigen, mächtigeren Konglomeraten mit feinkörnigen, weniger widerständigen, geringer mächtigen Mergeln und Sandmergeln bildet sich in der Morphologie des Berglands in Form von Denudationsterrassen ab:

Generell verursachen dabei von der Abtragung aus- oder abgeräumte Mergel auf dem jeweils liegenden Konglomerat eine mehr oder weniger ausgeprägte Verebnung, während das hangende Konalomerat einen stufenartigen Anstieg bildet. Die Mergel streichen, unterschiedlich stark von Schutt verdeckt, am Fuß der Stufen aus und bilden den unteren Teil des Anstiegs. Bei größeren Mergelmächtigkeiten ist dabei an Hängen und Rücken oft ein Hervorquellen, in Tobeln aber häufig eine Hohlkehle zu beobachten. Daneben machen sich die nahezu wasserundurchlässigen Mergel durch Quellen und Quellhorizonte an ihrer Grenze zum darüberliegenden wasserdurchlässigeren Konglomerat bemerkbar.

Infolge ihres im Vergleich zu den Konglomeraten wesentlich schmäleren, linienhaften Ausstrichs eignen sich die Mergel gut als Kartierhorizonte. Jedoch äußert sich der Mergelausstrich in Abhängigkeit von Relief und Geländeform verschieden:

An Spornen und Rücken zwischen Tobeln, an den Nasen und auf den Höhen treten die feinkörnigen Lagen, welche die Konglomerate trennen, besonders deutlich verebnungsbildend in Erscheinung, da sie einen relativ breiten Ausstrich zeigen und zudem nur wenig Hangschutt angehäuft werden kann. Deshalb eignen sich diese Geländeformen besonders gut zur morphologischen Kartierung der wechselnd widerständigen Lagen, insbesondere der Mergel, die bei breiterem Ausstrich oft vernässend wirken.

Größere Verebnungen auf den Spornen und Rücken gehen an den Tobelflanken, infolge des versteilten Hanges, in mehr oder weniger schmale Terrassen über. Auf dem unteren Konglomerat liegen häufig Rutschschollen bzw. Überreste von Rutschungen, die hier wegen der hohen Reliefenergie und des verstärkt auf den Mergeln austretenden Wassers begünstigt sind. Die Mergel nehmen also an den Tobelflanken den Charakter von rutschungsfördernden Gleithorizonten und Quellhorizonten an.

Kleinere Verebnungen, also morphologisch weniger aktive oder geringermächtige Mergel, sind an den steilen Tobelflanken oft nicht mehr erkennbar. Allenfalls läßt sich der Ausstrich der Mergel anhand von Hangvernässungen und kleinen Hangabrißnischen verfolgen.

Im Tobelbachbett bildet die meist freigelegte Oberfläche des liegenden Konglomerats die Verbindung zu den Terrassen der Tobelflanken. Der Tobelbach selbst hat die unterschiedliche Widerständigkeit der Gesteine durch seine selektive Erosion morphologisch gut herausgearbeitet: Der Bach verläuft mit flachem Gefälle auf dem liegenden Konglomerat, im durch die Ausräumung der Mergel und das Nachrutschen des Hanges verbreiterten Bachbett. Das hangende Konglomerat bildet eine, den Mergel vor Abtragung schützende, häufig wasserfallbildende Gefällestufe; darunter ist der Mergel oft in einer Kehle anstehend zu finden.

Gefällestufen in den Tobeln können zuweilen auch von kalkig verfestigten Sandlagen und -linsen, den "Gesimssanden", hervorgerufen werden. Da Sande aber nur relativ selten auftreten und leicht verwittern, stellen von Sanden gebildete Gefällestufen nur eine untergeordnete Erscheinung dar.

Die Tobel bieten die besten natürlichen Aufschlüsse für Mergel und Konglomerate, besonders in unmittelbarer Umgebung des Bachbetts und in Bachanrissen. Daneben zeigen die Tobel am deutlichsten das unterschiedliche Verhalten der Wechsellagerung aus Konglomeraten und Mergeln gegenüber der Abtragung. Durch das häufige Nachrutschen und Nachstürzen des Hanges samt seiner Vegetation sowie durch größere Rutschungen an den Tobelflanken, deren Schutt oft noch nicht abgeräumt ist, sind jedoch die Kartiermöglichkeiten im Vergleich zu den Spornen und Rücken begrenzt.

Die breiteren, langgestreckten Hänge an den Talflanken der größeren Gewässer wie der Eschach und der Kürnach bieten für die Abbildung der unterschiedlichen Widerständigkeiten aufgrund ihrer stärkeren Bedeckung mit Hangschutt, vor allem in tieferen Lagen, ungünstigere Voraussetzungen. Die Mergel machen sich nicht so ausgeprägt bemerkbar. Wasseraustritte, Vernässungen, Schuttquellen und Brunnen sowie gelegentliche Rutschungen und Hangverflachungen lassen jedoch meist eine Lokalisierung zu.

Ebenso unterdrückt wird die morphologische Ausbildung der Gesteinsunterschiede in Bereichen mit hoher Reliefenergie und kräftiger Abtragung wie an steilen Tobelwänden, kesselförmigen Tobelschlüssen und generell am Westabhang der Adelegg, wo die Abtragung so intensiv ist, daß sie als Wandabtragung z.T. Steilwände erzeugt hat und die Sporne von der Erosion stark verschnitten sind. Hier sind nur undeutliche Hangkanten und -knicke entwickelt. Die wenig ausgeprägte Morphologie der Gesteine wird aber durch Wasseraustritte und Quellen ergänzt.

Einen Sonderfall stellt die senkrechte Felswand des Schleifertobels dar. Sie bietet auf einer Höhe von nahezu 100 m einen unmittelbaren Einblick in die Wechselfolge von Konglomeraten mit dazwischengeschalteten feinkörnigen Lagen, welche schmale Absätze bilden.

Weit verbreitete, auf der Wechsellagerung von Konglomeraten und und Mergeln beruhende Erscheinungen sind Rutschungen:

Das nur auf kurze Strecken in den Konglomeraten unterirdisch abfließende Wasser hat auf die stauenden Mergel aufquellende, entkalkende, aufweichende und ausspülende Wirkung. In der Folge treten Quellerosion und Quellunterschneidung in Form von Quellmulden und -trichtern sowie Rutschungserscheinungen im Hangenden, insbesondere im darüberliegenden Konglomerat auf.

Je nach Mächtigkeit, Staueigenschaft und flächenhaftem Durchhalten der Mergel aber auch je nach Durchlässigkeit, Verfestigung, Mächtigkeit, Form und Ausdehnung des hangenden Konglomerats, der Größe seines Einzugsgebiets und seiner Wasserführung sowie des Reliefs, sind Aufquell-, Gleit- und Rutschvorgänge mehr oder weniger stark ausgeprägt:

Den Rutschungen, die nur das darüberliegende Konglomerat erfassen, stehen regelrechte Rutschtreppen besonders an den Tobelflanken gegenüber, so z.B. im Buchenberger Wald.

In höheren Lagen mit vermehrtem Wasserangebot und größerem Einzugsgebiet der Konglomerate kam es zur Bildung von ausgesprochenen Rutschungshorizonten, die den Ausstrich der Mergel nachzeichnen. Eine von Rutschungen begleitete Verebnung folgt im Kürnach-Buchenberger Waldgebiet sehr deutlich der 1000 m Höhenlinie.

Die Dimensionen einzelner Rutschungen erreichen Ausmaße bis zu 200 m Breite und 70 m Höhe, so z.B. am Rinnenbühl und im Buchenberger Wald. Bei den sehr großen, älteren Rutschungen im Süden des Kartiergebiets, an der Roten Fluh und am Wenger Egg, spielt neben den Mergeln noch stärkere Schichtneigung und wahrscheinlich pleistozäne Vorgeschichte eine Rolle.

Abrißnischen von Rutschungen bieten nur in frischerem Zustand einen guten Einblick in den Gesteinsverband, da Vegetation und Bodenbildung die Aufschlußverhältnisse, speziell im Bereich der Mergel, verschlechtern. Hinweise auf den Verlauf der Mergel geben jedoch manchmal Vernässungen und feuchtere Stellen am Hang, außerdem üppige und typische Vegetation, z.B. Schachtelhalme.

Rutschungserscheinungen in Form von säbelwüchsigen und umgestürzten Bäumen mit späterer Mulden- und Buckelbildung sowie Viehtritte sind generell kein sicheres Kennzeichen für Mergelausstriche. Sie treten in größeren Rutsch- und Hangschuttmassen und in der wenig mächtigen, lehmigen Verwitterungsdecke an steileren Konglomerathängen auf. Uberaus typisch für steile Konglomerathänge ist die durch umgestürzte Bäume hervorgerufene Mulden- und Buckelbildung.

 

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Datei erstellt am 03.04.2002 von Holger Reuchlin